Donnerstag, Dezember 13, 2018

Wandertour Dresdner Heide: Heidemühle, Reichsapfel, Saugarten(moor)

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Ein schöner Frühlingstag, ein 7jähriges Kind, eine Hochschwangere, und dann der Wunsch nach einer geeigneten Wandertour. Manchmal glaube ich wirklich, die Leute wollen mit aller Macht, dass der prinzessiale Haarschopf grau wird. Sind ja auch gar keine Anforderungen .. spannend für ein Kind und gemächlich für den dicken Babybauch...
Naja, wenn es sonst keine Wünsche gibt, auf zur gemütlichen

wäldlichen Spazierrunde...

Summa summarum wurde die Runde genau 5 km lang, es galt 50 Höhenmeter zu überwinden, man kommt mit dem Auto hin und parkt quasi an einem Biergarten. Ihr seht - die Runde ist auch für alte Männer jenseits der 40 machbar. Los geht`s !

Vorab zur besseren Übersicht, die eigens von mir hergestellte und daher nur zu einem hohen Stückpreis zu veräußernde Wanderkarte voller Fehler für die Krümelkacker-Fetischisten:

Geparkt wird direkt an der Heidemühle, einfach zu finden auf der Straße von Dresden nach Radeberg. Es ist da auch eine Bushaltestelle, spricht für regen Busverkehr. Einfach hier das Auto loswerden und dann die schwierige Entscheidung treffen:

1. Biergarten incl. Kinderspielplatz vor der Spazierrunde
2. Biergarten incl. Kinderspielplatz nach der Spazierrunde   ... oder ...
3. Biergarten incl. Kinderspielplatz vor und nach der Spazierrunde.

Wir hatten es einfacher, ein Kerl war nicht dabei und die kleine Lady konnten wir mit Aussicht auf ein echtes Moor auf Variante 2 vertrösten. Also ging es ohne Verzögerung los: Die Einbiegung ist auf der rechten Seite (in Richtung Radeberg gesehen) und führt zunächst ein kleines Stück an der Radeberger Straße entlang. Aufgrund des abschüssigen Weges und der hinaufführenden Straße verliert sich der Straßenlärm schnell und man taucht in den Wald mit seiner herrlichen Luft ein. Immer entlang der Weißeritz und wenn man Glück hat, kann man die ersten Buschwindröschen des Jahres entdecken.

Trotz alledem ist der Wanderweg mit dem gelben Punkt eine aufgeschüttetet Schotterpiste, daher gleich die erste Brücke über die Prießnitz nehmen und schon ist man im "echten" Wald mit wunderschönen sonnendurchfluteten Wegen. Hier könnte man auch etwas abseits eine kleine Quellmulde entdecken, in der der Augustusborn entspringt. Ich schrieb "könnte", denn mit einem kleinen Kind, dessen Vokabular sich bei Wanderungen auf ein "Sind wir bald da?" reduziert, habe ich glatt vergessen, diese zu suchen. Ich schäme mich auch ganz doll dafür...  Als kleiner Trost: die damals bestehende Jadunterkunft mit Brunnenhaus, Saal und Stall gibt es eh nicht mehr, dem Vorstellungsvermögen sind allerdings keine Grenzen gesetzt. Mögliche architektonische Entwürfe können gleich an mich gesendet werden, viielleicht baut die Stadt mir dann eine Waldresidenz.

Nach einer kurzen Weile stößt man auf den nächsten größeren befestigen Weg ("Alte Eins"), dieser wird jedoch gleich ignoriert, daher lediglich überquert, so dass wir auf dem historischen Reichtsapfelweg laufen. Auf diesem lässt sich gut spazieren, allerdings wird das  kindliche "Sind wir bald da?" durch das "Wann können wir endlich essen?" abgelöst. Und genau am Reichsapfel ist es dann geschehen, es kommt eine Bankgruppe in Sicht, das Kind rennt los und bevor man den Hauch einer Chance hat - ist das ganze Essen ausgepackt.

Im Nachhinein war dieses aber höchst wertvoll, denn nur dadurch haben wir andere, sehr sympatische, Wanderer kennengelernt, die uns auf eine fast verschwundenen Wegtafel aufmerksam machten. In einem völlig unauffälligen Baum, an dem ich mit Sicherheit locker flockig vorbeimarschiert wäre, war dieses kleine Relikt aus der Vergangenheit zu finden:

Jetzt kam mein nächster Fehler: ich versuchte, die kleine Mademoiselle davon zu überzeugen, dass der Baum um das Zeichen gewachsen war. Die kleine Lady hingegen war der Meinung, dass das Zeichen später "hineingepappt" worden ist. Wir hätten Eintritt nehmen sollen, die Schwangere lachte, dass ich Angst hatte, das Kind kommt gleich, die anderen Mädels sabberten amüsiert und das Wanderpaar grinste noch beim Weggehen. Ich hab so das Gefühl, die Lady hat meine Erklärung unter dem Motto "Lass die mal labern..." geschluckt, aber ich red mir mal ein, ich hätte sie überzeugt.

Nun gut, Krönchen graderücken, weiter gehts ...  Den breiten HB-, den Dreibörnerweg und die böse Radeberger Straße überqueren, immer weiter bis eine lange Rechtskurve kommt. Ab dieser Zeit konnte ich das "Sind wir bald da?", welches sich wieder eingestellt hatte, völlig cool wegwischen: ein sehr böser Blick auf die kleine Lady und dann auf das hier gelegene "Böse Loch" half Wunder. Ich hab so die Ahnung, sie wollte nicht von mir in das kleine Sumpfloch geschubst werden. Was solls, wir suchten uns Wanderstöcke .. hier stöhnte die Mama, als sich klitzekleine 20 cm große Grasflecken abzeichneten, aber die Wanderstöcke waren wirklich gut und auch später überaus nützlich.

Schließlich stößt man wieder auf die "Alte Eins" und kurze Zeit später auf den Dresdner Saugarten. Hier waren also früher die eingezäumten Bereiche, in denen die Wildschweine gezüchtet wurden, um sie anschließend zu jagen, also sie auf eine Lanze oder einen Speer von den Untertanen hetzen zu lassen. Sicherlich wollte man den Keiler später am Spieß mit einem ordentlichen Humpen Bier oder Wein genießen. Die Vegetarier- und Verganerherzen werden jetzt noch aufschreien, ein großer Stein erinnert noch an die "Zeit der hohen Jagd in der Dresdner Heide". Leider steht auch das nach Plänen von Pöppelmann für Kurfürst August den Starken errichtete Jagdschlösschen nicht mehr.

Wir biegen in den Wanderweg "Alte Acht" ein und erreichen nach kurzer Zeit unseren Höhepunkt der Wanderung - das Saugartenmoor. Naja - eigentlich ist es kein richtiges Moor, aber ein Schwingrasenmoor, also doch ein Moor, nur halt noch kein ganz Fertiges, letztendlich also doch ein Moor - basta!
Nach ersten Blicken und sehr zu Beruhigung der kleinen Lady ragte keine Hand eines Versinkenden aus dem Moorast - also alle Horrorgeschichten waren völlig umsonst. Dafür konnte man sich unbesorgt der Flora und Fauna widmen. Der Freistaat Sachsen hat diesbezüglich eine nette Tafel aufgestellt, man muss ja schließlich wissen bei welchen Schlangen, Fröschen, Käfern und Miniechsen man laut aufkreischen sollte.

Und nach den ersten Minuten begann das Moor zu wirken, die Ruhe holte einen ein, man konnte das Summen und Quaken langsam orten und sich viele kleine Details ansehen. Wir entdeckten immer mehr Pflanzen von der Tafel und verstanden, dass dieses Moor zurecht ein Flächennaturdenkmal ist. Und irgendwann schüttelte man den Kopf über einen selbst, wenn man daran dachte, wie oft man auf der Radeberger Straße vorbeigebraust ist, ohne von dieser Schönheit zu ahnen.

Wie gesagt, eine kleine Lady war dabei und nachdem sie mit dem schönen Wanderstock den ganzen grünlichen, eklichen Glibberschleim umgerührt hat und es nicht schaffte uns damit eine Perücke zu verpassen, kam das allseits bewährte "Ich habe Hunger". Kaum hatten wir alles ausgepackt, ging auch schon das Actionprogramm los. Drei Enten begannen sich, vermutlich beim männlichen Imponiergehabe, derart zu jagen, dass der Begriff "Entenjagd" jetzt für mich nicht mehr mit ganz so viel mit der Ente aus dem Hause Citroen zu tun hat - wobei ... mhmmm ... kommt wohl doch auf die Situation an. Das etwas größere Federvieh saß völlig relaxt daneben, während die Enten völlig abgingen.

Es fiel uns schwer, aber langsam mussten wir uns aus der Idylle verabschieden und langsam in Richtung Prießnitz zu dem Wanderweg mit dem gelben Punkt spazieren. An der Prießnitz entlang kann man noch einen alten Steinbruch sehen sowie viele kleine Wasseransammlungen, die Prießnitz-Altarme. Schließlich erreicht man das Guido-Hammer-Denkmal, welches an den Maler und Zeichner erinnert, und danach ist man wieder am Ausgangspunkt, der Heidemühle. Und diese hat sich ganz schön gemausert. Etliche Spielplätze für die Zwerge, ein gutes Speisenangebot zu moderaten Preisen - da kann man nicht meckern.

So - Ende der 5km-Tour. Eine Hochschwangere hat getestet - ein 7jähriges Kind - ich wünsch Euch allen viel Spaß :) Und immerhin sind in diesem Teil der Dresdner Heide die Wegmarkierungen gut und ausreichend angebracht - verirren ist hier sehr schwierig .. obwohl, Männer sollten das Handy lieber mitnehmen.

Liebe Grüße,
Eure Prinzessin
 

P.S. Das Baby, ein kleiner Junge, ist inzwischen auf der Welt - Mama und Sohnemann sind wohlauf.

 

Wanderführer: http://www.amazon.de/Wanderf%C3%BChrer-Dresdner-Heide-Heimatkundlicher-Touristenf%C3%BChrer/dp/3937537600/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1415535698&sr=8-2&keywords=der+wanderf%C3%BChrer+dresdner+heide - Wanderroute 9
Heidemühle: http://www.einkehr-heidemuehle.de/


 


 

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