Mittwoch, November 14, 2018

Kleine Wandertour Bienertmühle-Hoher Stein-Weißeritz

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Moin, moin... 

hier mal ein kleiner Tip für eine , ja - was?  Für Sonntagsspaziergängler mittleren bis höheren Alters anspruchsvolle Tour, für geübte Wanderleute eine Kinderkacke-Tour, für Familien mit kleinen Kindern eine Erlebnisrunde, für normal-tranierte Leute eine kleine Abwechslung.

Der Weg ist ca. 8 km lang, es sind ein paar Höhenmeter zu überwinden. Es handelt sich teilweise um breite, befestigte Wege, ein paar "normale" Waldwege, Treppen, und bei zwei oder drei kleineren Anstiegen mag der ein oder andere auch mal die Hände zum festhalten benutzen. Man benötigt bei normalen Tempo ca. 2 h - durch 2 Einkehr-Möglichkeiten und zahlreiche Aussichtspunkte kann die Tour aber auch sehr gerne verlängert werden. Wenn man aufmerksam und leise ist, kann man durchaus einige einheimische Waldtiere entdecken: Eichhörchen, Rehe, Spechte, Frösche ..   Stabilies Schuhwerk ist zu empfehlen.

Hier mal eine Grobskizze, wo es in etwa lang geht, ich bitte hier die unprofessionelle Zeichnung zu entschuldigen, aber es soll ja abenteuerlich werden ..

Ausgangspunkt ist Nr. 1 - der Plauner Bahnhof:

Entweder man kommt mit der S-Bahn oder mit dem Auto, Parkplätze sind auf der Zwickauer Straße oder in der Umgebung leicht zu finden. Vom Bahnhof aus wendet man sich in Richtung Innenstadt, grob Chemnitzer Straße, biegt jedoch vor der Auferstehungskirche rechts ab (Schleiermacher Straße), immer den Pflastersteinweg nach oben. Gerne kann man einen Abstecher in die Kirche machen, es finden dort öfter Konzerte statt, auch einer Besichtigung steht nichts entgegen:  http://www.auferstehungskirche-dresden.de/

An der Auferstehungskirche vorbei immer gradeaus, kommt man hinter dem Gymnasium Plauen raus. Dort biegen wir nicht in die normalen Straßen ein, sondern folgen dem kleineren Weg hinter der Schule. Man trifft dort unweigerlich auf eine kleine Sternwarte. Deren Öffnungszeiten sind mir leider nicht bekannt .. (ich bleibe aber dran). Unmittelbar vor der Sternwarte  biegen wir nach rechts ab und folgen dem Weg durch die Wiesen, welcher dann einen kleinen Schlenker macht (Nr. 2). Hier drauf achten, dass man keine Feldmaus zertritt.

Dort bitte immer rechts halten, man kommt dann unweigerlich an 3 wunderschöne Stellen, von denen man die Sicht auf den Plauenschen Grund hat. Wer dort einen selbst mitgebrachten Kaffee genießen mag - die beste Kulisse ist schon da. Eisenbahninteressierte können sehr gut die Züge aus der Vogelperspektive beobachten. Es gibt noch 2 unbefestigte Aussichtspunkte, hier sollte man doch ein bißchen klettern können, für Kinder sicherlich ungeeignet. Und - man hat den ersten "Anstieg" schon geschafft. Von da aus steuert man gezielt den "Hohen Stein" mit seinem Aussichtsturm an (Nr. 3). Oftmals darf man kostenlos hinaus und hat dann einen überwältigenden Ausblick auf Dresden (Fotocam kann gezückt werden - es lohnt sich):

An dem Naturdenkmal "Hoher Stein" gibt es eine kleines Bistro - leider kann ich dort keine Erfahren vorweisen, im Falle des Falles: einfach probieren. Einfach die Aussicht genießen - die Natur- und dran denken, dass man mitten in Dresden ist. Vom "Hohen Stein" aus geht es weiter, eine kurze Steigung und schon hat man eine weitere gute Aussicht auf die Weißeritz im Tal und die große Autobahnbrücke der A17. Wir gehen jetzt den Weg weiter, rechter Hand der Grund, linker Hand eine herrliche Obstwiese (die Kirschen und Äpfel sind sehr lecker). Wir tauchen langsam in den Wald ein, bei einer scharfen Rechtsabbiegung (blauer Weg auf der Karte oben) kann man abkürzen und zahlreiche Stufen nach unten zur Felsenkellerbrauerei gehen - allerdings entgeht einen da Einiges. Achtung, dieser Weg ist nach starken Regenfällen auch des öfteren mal gesperrt. Hier bitte ganz leise sein, ich habe da sowohl braune, als auch schwarze Eichhörnchen schon beobachtet.

Wir gehen aber weiter, biegen nach den Treppen scharf rechts ab - und sind jetzt richtig im Wald. Der Weg ist uneben, aber durchaus machbar. Lieber etwas langsamer, als den Knöchel verknacksen, die Wege sind leider unbefestigt. Etwas bergab kommt man nach ca 300m zu einem weiteren Aussichtspunkt - von dem man in einer Richtung die bisher passierten Aussichtspunkte und die Felsenkellerbrauerei, in der anderen Richtung den Grund und die Autobahnbrücke sehen kann. Ein wenig genießen - und dann weiter. Es geht einen Abhang nach unten (ein bißchen umsehen, 5m weiter links geht es etwas sanfter nach unten) - vorher umschauen, oftmals stürzen sich todesmutige Biker da runter, ich musste noch keinen bergen, ich hoffe es bleibt so. Wir gehen jetzt bergab-bergauf, immer kleine Stücke, immer vorsichtig, dass man sich nicht die Knochen bricht. Selbst einen kleinen Bachlauf überquert man auf einer Brücke. Dem Weg einfach folgen, und die Stille des Waldes genießen. Irgendwann stößt man auf ein Holz-Geländer, dann auf einen größeren, befestigten Weg. Hier bitte nach rechts abbiegen, ein Stückchen nach unten gehen. Folgt man der gelben Variante oben, kann man den Weg ein weiteres Mal abkürzen. Wir biegen allerdings links ab, eine Brücke führt über einen kleinen Bachlauf.

Folgt man diesem Pfad kommt man unweigerlich zu Treppenstufen - viele Treppenstufen. Und ja - wir müssen da rauf! Alle Stufen, also hopp hopp, los gehts! Achtung, die Stufen sind uneben, schief, unterschiedlich hoch und ab und an flitzt auch mal eine Maus an den Füssen vorbei. Oben angekommen, befinden wir uns jetzt in Alt-Coschütz (Nr. 4). 

Immer die Straße entlang (siehe Skizze links) und den wunderschönen historischen Ortskern bewundern. Immerhin wurden hier die ersten Siedlungen schon in der Bronzezeit angelegt. Dieses Wegstück führt zwar über Asphalt, der schöne Ortskern ist es aber wert - ganz sicher. Ebenfalls gibt es hier einen "Fadenladen" und einen Kunstladen, beide sehr sehenswert. Oftmals sind die Leute sehr nett und lassen in die Dreiseitenhöfe reinschauen. Und mit viel Glück futtert ein großes Hausschwein direkt hinter einem Zaun und freut sich auf Streicheleinheiten.

Folgt man dem Weg weiter, kommt man dann wieder ins "ländliche", große Felder und Obstbaumwiesen. Hier habe ich schon des öfternen Rehe gesichtet - und daher auch der nächste Hinweis: Wir sind immer noch mitten in Dresden! Nur halt in dem Dresden, welches nicht viele so kennen. Von Alt-Coschütz wäre man mit der Straßenbahnlinie 3 in wenigen Minuten am Hauptbahnhof. Ok - die Weicheier können jetzt aussteigen, der Rest läuft bitte brav weiter - es lohnt sich!

Nach den Feldern taucht man langsam wieder in den Wald ein und steht kurze Zeit später auf der Heidenschanze. Diese ist eine frühzeitige Befestigungsanlage und liegt auf einem Felssporn, ca 70m über dem Plauenschen Grund. Leute, wir stehen auf einem Bodendenkmal und immerhin war das der Mittelpunkt eines historischen Siedlungszentrums, also würdigt das bitte kurz, auch wenn nichts wirklich sieht und seine Phantasie etwas bemühen muss.

Immer weiter, und schon schießt unter einen die Autobahn aus dem Fels hinaus. Leider duch die Bäume etwas verdeckt, man kann aber doch so manchen Blick erhaschen (Nr. 5). Halbzeit der Tour! Also eine kurze Rast - und weiter gehts.

Diejenigen, die jetzt einen Geheimtip haben möchten, lesen bitte aufmerksam weiter, der Rest überfliegt den nächsten Absatz bitte.

Wir folgen dem Weg über die Heidenschanze weiter, bis das Holzgeländer aufhört. Ca. noch 25m weiter geht rechts ein kleiner Waldweg ab, ruhig ein bißchen suchen, er ist aber zu finden. Diesem folgt man, hält sich an einer Gabelung links. Ein paar Stufen nach oben und man steht vor einem ca 1,5 m hohen Felsen. Und nun? Ganz einfach: rauf da! Es steht noch ein total verrosteter Rest von einem Geländer da, darauf bitte NICHT verlassen. Und dann ist man oben! Und man fühlt sich wie ein König, ringsherum freie Sicht, alles liegt unter einem, eigentlich ein Gefühl zum Hände-hoch-reißen! Also schnell, die Boxer-Siegerpose und feststellen: Es ist phantastisch hier...

Ok, ich bin in Plauderstimmung, daher eine kleine Episode von dieser Stelle: Sonntagmorgen, eigentlich vor dem Aufstehen gegen 7 Uhr, sitz ich da oben, genieße den wunderschönen Ausblick und lasse mich von der Musik aus meinem MP3-Player davontragen. Ich denke an nichts böses und dann stupst mich von hinten jemand auf die Schulter... Ahhhh! Ich springe auf, zu Tode erschrocken, der Kerl lächelt mich beruhigend an. Wir setzen uns beide auf den Felsen, er öffnet seinen Rucksack und wenig später hab ich einen Kaffeebecher und ein belegtes Brötchen in der Hand... ein Traum! Er spricht nicht, aber wir frühstücken seitdem fast jedes Wochenende, nur dass ich die Brötchen jetzt immer mitbringe, aber nur für ihn - Bestellungen hier nehme ich nicht entgegen..

So genug geplaudert, weiter gehts... den Weg über die Heidenschanze zurück, in Richtung der Felder. Vorher biegt links ein Weg ab, es gehen quasi etwas verwitterte Treppenstufen nach unten. Ja, genau - da lang. Wir sind jetzt wieder mitten im Wald und folgen dem doch recht bequemen Weg. Auch hier sind des öfteren Eichhörnchen zu sehen. Immer weiter laufen, der Weg geht tendenziell eher bergab, aber nicht zu steil. Irgendwann tritt man aus dem Wald hinaus und steht plötzlich vor einer Kleingartenanlage. Wir gehen an der Seite entlang und befinden uns wieder auf dem Hauptweg, den wir weiter oben verlassen hatten. Wir gehen jetzt abwärts bis wir die Weißeritz hören und später sehen. Der Weg ist steinig, mit festen Schuhwerk jedoch kein Problem. Ganz im Tal angekommen, überqueren wir die Weißeritz und die Bahnschienen und halten uns dann rechts.

Nicht zu übersehen befinden wir uns jetzt an der Felsenkellerbrauerei (Nr. 6).  Diese war, wie der Name schon sagt, eine Brauerei - und zwar um 1900 herum eine der größten Deutschlands. Heute wird dort kein Bier mehr gebraut, in dem Industriedenkmal haben jetzt über 210 private und gewerbliche Mieter ein Zuhause gefunden. Man kann auf dem Gelände herumlaufen und das ein oder andere Geschäft entdecken. Was ist noch übrig geblieben? Richtig - das Bier, nur wird das "Dresdner Felsenkeller Pilsner" im neuen Feldschlösschen Brauhaus hergestellt. Zum Wohl!

Nach kurzer Zeit befinden wir uns an der Hegereiterbrücke, welche quasi der Eingang zum Bienert-Gelände ist. Wir überqueren erneut die Weißeritz, können sogar an den Fluß heran. Wir gehen jetzt den ca 700m langen Bienert-Wanderweg entlang (Nr.7), vorbei am Wasserhaus, dem Mühlgraben und kommen immer mehr in verwilderten Bienertschen Garten. Final stoßen wir auf die Bienertmühle, die ehemalige kurfürstliche Hofmühle des 16. Jahrhunderts. Herr Bienert baute sie ab 1852 zu einer bedeutenden industriellen Großmühle aus, welche über die damalig modernste Technologie verfügte (Nr.8).

Heute werden die Gebäude umgebaut, u.a. entstehen Loft-Wohnungen. Auch hier kommt man sehr gut bis an die Weißeritz heran, man kann auf den Steinen sitzend ein erfrischendes Fußbad, Mutige können sich auch weiter in den Fluß hineinwagen, da aber alles sehr glitschig ist - viel Spaß!

In der Bienertmühle ist im Erdgeschoss ein kleines Cafè, welches sehr sehr sehr zu empfehlen ist. Man bekommt dort selbstgebackenen Kuchen, der sensationell ist - unbedingt probieren. Ebenfalls finden dort öfter Musikabende statt, einfach zum Wohlfühlen.

Frisch gestärkt um die Ecke herum, 100m laufen und man ist am Ausgangspunkt, dem Plauner Bahnhof. Tour geschafft!

Ich hoffe, der Beitrag macht die Tour schmackhaft, lohnenswert ist sie auf alle Fälle - also probieren;)

 

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