Mittwoch, November 14, 2018

Zu Gast: Aussie in Exile

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Die Freuden des Möbelkaufs heute (Teil 1)

 

Über die Freuden und vor allem Tücken eines Umzugs ans andere Ende der Welt möchte ich mich an dieser Stelle nicht eingehender auslassen. Es genügt zu sagen, daß aufgrund der Entfernung und hohen Transportkosten das Mitnehmen der meisten Möbel schon allein aus ökonomischer Sicht nicht sinnvoll ist und bis auf einzelne Stücke stand ich also vor der Aufgabe eine komplette Wohnung einzurichten.

Entweder man steht auf den Stil der schwedischen Ich-bastel-mir-mein-Möbel-selbst-zusammen-Marke mit den 4 großen gelben Buchstaben oder nicht. Mag man deren Design und findet den Preis angesichts der gebotenen Qualität nicht überzogen, dann ist alles klar:

Hinfahren – Aussuchen – Mitnehmen - Zusammenbasteln – Fertig!

Entspricht das aber nicht dem eigenen Geschmack wird es mit einem Schlag sehr kompliziert und ich habe eine Menge über das Funktionieren der Möbelbranche gelernt. Aber der Reihe nach:

Jeder weiß, daß ein leeres Zimmer immer anders wirkt, als wenn Möbel darinstehen. Ein Gliedermaßstab – gemeinhin auch als Zollstock bekannt – ist zwar hilfreich aber nicht die Lösung wenn es darum geht, daß Möbel nicht nur von den Abmessungen her sondern auch optisch in Farbe und vor allem Größenrelation zueinander und zum Zimmer passend zu kaufen. Begnadete Innenarchitekten mögen in der Lage sein, alle Einzelstücke vor dem geistigen Auge zu visualisieren und dabei auch noch perfekt in das gegebene Zimmer einzufügen, dem Autor geht diese Begabung leider ab. Daher erschien mir der einzig sinnvolle Ansatz der zu sein, die Möbel nicht blind alle zugleich sondern Stück für Stück nacheinander zu kaufen und so sicherzustellen, daß sie erstens zueinander und zweitens in das Zimmer passen.

Exemplarisch stelle ich den Prozeß einmal anhand des Wohnzimmers dar. Für gewöhnlich braucht der Mensch eine Sofagarnitur mit dazu passendem Couchtisch und ein paar Möbel zum Unterbringen von Fernseher, Hifi-/Videoelektronik, Büchern und Dekoration sowie ein wenig Stauraum für Sonstiges. In der Sprache der Möbelindustrie – so habe ich gelernt – nennt sich letzteres „Wohnwand“.

Wer nun denkt, daß man die Sachen einfach der Reihe nach kauft, heimschafft, aufstellt und glücklich wird, der ist genauso naiv wie ich es war.

Zunächst einmal dachte ich, fange ich aus pragmatischen Gründen mit der Sofagarnitur an. Zum einen hat man dann schon etwas, worauf man sitzen kann während man sich überlegt, wie man den Rest des Zimmers gestalten will, zum anderen ist es das größte Möbelstück und der Rest sollte sich daher optisch dazu passend gekauft werden.

Also ab ins nächstgelegene Möbelhaus. Dieses war relativ klein aber bot doch einen ersten Eindruck, was derzeit so Mode ist bei Sofas. Mode bei Möbeln? Ja, das gibt es durchaus. Was dieses Jahr noch „IN“ ist, kann nächstes schon total „OUT“ sein. Wie dem auch sei, ein Sofa was mich spontan angesprochen hätte war nicht dabei. Also wieder ins Auto und den etwas weiteren Weg zu einem der größten Möbelhäuser der Region unter die Räder genommen. Smartphone und Google sei dank, dass man solche auch unterwegs noch heraussuchen kann. Dort angekommen gab es dann auch eine deutlich größere Auswahl. Allerdings mußte ich feststellen, daß nicht nur fast alle Sofas dort vertreten waren, die es im kleineren Möbelhaus auch gegeben hatte, die Auswahl erschien vor allem dadurch deutlich größer, daß die immer gleichen Grundmodelle in viel mehr Farb- und Materialkombinationen sowie anderen Zusammenstellungen ausgestellt waren. Grundsätzlich neue Designs waren eher rar und meine Erfolgsquote daher nicht höher als im ersten Möbelhaus. Erster Samstag also vorbei und dem Ziel, meine Wohnung einzurichten war ich nicht wirklich näher gekommen.

Am nächsten Samstag (unter der Woche kommt man als arbeitender Mensch praktisch nicht dazu) ging es weiter. Nächste Anlaufstation war ein etwas gehobenes Möbelhaus in der weiteren Region und dieses hatte dann auch neben den schon bekannten Modellen aus den anderen Häusern (zu deutlich höheren Preisen) auch einige schöne Sofas die ich bisher noch nicht gesehen hatte. Dummerweise war das Preisniveau dort generell jenseits von Gut und Böse und ich hätte mir für den Preis eines Sofas dort in den beiden anderen Möbelhäusern gleich die komplette Wohnung einrichten können. Also ebenfalls Fehlanzeige. Der zweite Samstag war vorbei, ohne daß mehr Möbel den Weg in meine Wohnung gefunden hätten.

Klar war, auf diesem Wege würde ich nicht weiterkommen. Also doch Schwedendesign? Nein danke, nicht für mich! Mir war jedoch aufgefallen, daß ein Großteil der offerierten Sofas praktisch immer gleich war. Aber was folgt daraus?

1.       Es gibt offenbar nur relativ wenige Hersteller von Sofas welche wiederum eine überschaubare Produktpalette anbieten, welche aber dann in Bezug auf Stoff / Material und Zusammenstellung der Garnituren in fast beliebig vielen Variationen dem Kunden durch die Möbelhäuser präsentiert wird.

2.       Wenn ich das Preisniveau der mir nicht gefallenden Sofas in den günstigen Häusern in Relation betrachte zu dem, was das gehobene Haus für die gleichen Modelle verlangt, ferner davon ausgehe, daß die Gewinnmarge üblicherweise über die ganze Angebotspalette hinweg sehr ähnlich kalkuliert wird und dann ferner berechne, was eines der schönen Sofas im gehobenen Möbelhaus in etwa kosten würde, wäre es stattdessen in einem der günstigen Möbelhäuser im Angebot, dann müßte der Preis eigentlich in mein Budget passen.

3.       Wenn es offenbar so wenige Hersteller gibt und das Angebot überall gleich ist, dann wird es in der heutigen Zeit vermutlich auch Möbel online zu kaufen geben – vermutlich sogar noch günstiger, weil die Händler keine Unkosten für die Präsentation haben.

Also neuer Anlauf, diesmal online. Für mich eine große Erleichterung, da ich abends nach der Arbeit noch auf Möbelsuche gehen konnte und nicht nur auf das Wochenende angewiesen war. Und es dauerte nicht lange, da wurde ich fündig. Ein Sofa, wie ich es mir vorgestellt hatte und dazu noch im veranschlagten Budget. So weit, so gut.

Nun wollte ich auch online den günstigsten Preis finden. Die Schwierigkeit hierbei: Jeder Möbelhändler – egal ob online oder Möbelhaus vor Ort – gibt seinen Angeboten wohlklingende Namen der Art „Sofagarnitur Katmandu“ oder „Polsterecke Vancouver“, welche jedoch in keiner Relation zu den Typenbezeichnungen der Hersteller stehen. Ein cleveres System, um dem Kunden einen einfachen Preisvergleich unmöglich zu machen. Ich habe es letztlich trotzdem geschafft, aber es erforderte schon eine etwas intensivere Onlinerecherche und die dadurch noch erreichte Preisersparnis war rückblickend zu gering für die investierte Zeit.

Alles geklärt also, sollte man meinen. Aber ein Schock wartete noch auf mich: die Lieferzeit. 10 Wochen hieß es, solle es dauern, bis das Sofa geliefert würde. Ich dachte erst, das müsse ein schlechter Scherz sein, aber ein schnell durchgeführter telefonischer Check in einem Möbelhaus vor Ort erbrachte, daß diese Lieferzeit völlig normal wäre. Man hätte abgesehen von einigen Kleinmöbeln und den Ausstellungsstücken keine große Lagerhaltung. Damit war klar, das Möbelhaus vor Ort hatte auch diesbezüglich keinen Vorteil gegenüber dem Kauf im Internet.

10 Wochen später wurde dann wie versprochen das Sofa direkt zu mir nach Hause geliefert.

Im zweiten Teil geht es weiter mit Wohnwand und Couchtisch.