Mittwoch, November 14, 2018

 

Mein Büro zieht um! Viel Arbeit, aber nicht wirklich spektakulär. Allerdings habe ich meine Meinung über den Service oder allgemein über die Kundenfreundlichkeit in Deutschland revidieren müssen. Dachte ich bisher, Deutschland ist keine

Servicewüste

muss ich doch zugeben: ich habe mich getäuscht. Und es ist noch viel schlimmer, als ich dachte. Achtung an alle Leser: das ist jetzt keine Comedy-Show, alles ganz real..  Ahhhh! ich möchte weglaufen.

Nachtrag: Das Bild war eigentlich ironisch gemeint - irgendwie hat sich das verschoben mit der Zeit. Viel Spaß beim Lesen ... einer bitterernsten Angelegenheit:

Teil 4: Behörde

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Tja - ein Umzug bringt auch das Ummelden in der Behörde mit sich. Hier habe ich ein schlechtes Beispiel, aber auch ein sehr Gutes:

Büroumzug Teil 4:
Behörde

Fangen wir mal zur Abwechslung mit dem positiven Beispiel an: Ummeldung des Gewerbes, da neue Büroadresse. Hier ging es ganz einfach: ins Internet, Formular ausfüllen, Ausweis kopieren, alles in die Post. Am übernächsten Tag kam eine Email, ich möchte mich doch bitte bei Frau ... melden, es gäbe eine Rückfrage. Dieses habe ich gleich getan, Unklarheit beseitigt. Weitere 2 Tage später hatte ich die Bescheinigung samt Rechnung in der Post. Chapeau! Gefällt mir!

Doch es kann auch anders gehen:

Hier musste ich leider persönlich erscheinen, per Post oder Internet ist das nur möglich, wenn man einen Personalausweis mit Pin besitzt. Diesen habe ich leider (noch) nicht. Jetzt werde ich intensiv darüber nachdenken, zumal ich mir demnächst eh einen neuen Ausweis austellen lassen darf.

Also: Öffnungszeiten gegoogelt, klasse! - sogar Samstag hat das Einwohnermeldeamt offen. Ich war beeindruckt, hätte ich nicht gedacht, aber umso besser. Endlich mal eine Behörde, die Öffnungszeiten hat, die arbeitenden Menschen entgegenkommt. Ich bin am Samstag also gegen 10 Uhr auf Parkplatzsuche gewesen, es ist Weihnachtsmarkt, nach 30 min rumkurven hatte ich dann auch einen gefunden. Entsprechend Parkgebühren bezahlt, auf zum Amt. Und dann? Ein Schild:

"Wegen technischen Arbeiten bleibt die Behörde von Freitag, dem ....  bis Montag, den .... geschlossen"

Na, vielen Dank auch! Vor mir eine ältere Dame, die aus Berlin angereist war um sich anzumelden, auch schwer begeistert. Das Haus war offen, aber natürlich war kein Zimmer besetzt. Wir haben, dem Smartphone sei Dank, gleich nach einer Telefonnummer gegoogelt - es bestände ja rein theoretisch die Möglichkeit, dass eine andere Amtsstube den Samstagsdienst übernommen hat. Fehlanzeige, sowohl die Telefonnummer zu finden, bei der tatsächlich jemand rangeht, als auch eine Ersatzbehörde. Vielen Dank für die vertane Zeit und die gezahlten Parkgebühren! Ich war sauer, aber es ging noch weiter:

Nächster Versuch: Montag 8 Uhr beim nahegelegenen Ortsamt. Ich war auf die Minute da, schließlich kam ich eh schon zu spät ins Büro. Die Begrüßung bestand aus einem giftigen Blick. Den bekam ich, als die Dame von ihrem Büro aus mit leerer Kaffeekanne den Flur entlang schritt um 3 min später mit gefüllter Kaffeekanne zurückzukommen. Ich warf einen schnellen Blick zur Wanduhr, sie murmelte: "Es geht ja gleich los". Was bin ich doch böse, dass ich ihr keinen Kaffee gönne, es ist ja noch früh am Morgen und Kaffee muss sein - Sprech- oder Öffnungszeiten sind ja nur "Richtwerte" und zur Arbeit muss man ja auch nicht.

Endlich als erster Bürger kam ich dann um 8:15 Uhr (!) in die Amtstube. Das erlebte ich: eine äußerst unfreundliche, patzige Angestellte, die einen nur anblaffte - sogar der 2. Dame im Zimmer war dieses offenkundlich peinlich. Schon sehr nett, welches Verhalten ich mit meinen Steuergeldern bezahle.

Stinksauer, da half kein "Ruhig Saxo, ruhig" mehr, rief ich danach bei der Zentrale an und beschwerte mich über diese Mitarbeiterin. Dieses wurde immerhin genau aufgenommen, ich bekam - oh Wunder - sogar einen Anruf, wo besagte Dame sich entschuldigte, es wäre Montagmorgen und sie hätte Migräne gehabt ... total überzeugend rübergebracht ... bla bla bla ...
Dann erlaubte ich mir die Mitarbeiterin in der Zentrale zu fragen, warum kein Hinweis in der Internetseite bezüglich des geschlossenen Amtes am Samstag zu finden wäre, man präsentiert sich im Internet, alle Ämter mit Öffnungszeiten - nur einen solchen Hinweis lässt man weg. Die Antwort? Bitteschön: "Wir haben das doch im Amtsblatt veröffentlicht!" Unausgesprochen: Was wollen Sie eigentlich?

Was lerne ich daraus:

a) google nie nach "Öffnungzeiten Behörde Stadt ... "
b) google gefälligst nach "amtliche Bekanntmachungen Öffnungszeiten Behörde Stadt ..."

ist doch logisch - oder?

c) erwarte niemals Montag in der Früh eine freundliche Bearbeiterin, die Wahrscheinlichkeit enttäuscht zu werden ist groß
d) beantrage einen Perso mit Pin und erspare Dir diesen Mist mit Behördengängen
e) hoffentlich kostet der Perso nicht unangemessen viel
f) knapp 30 Euro + entsprechendes Passbild, etwa 50 Euro gesamt - ist unangemessen viel

Jup - dafür zahle ich gerne Steuern ...

 

 

Bildquelle: Rainer Sturm  / pixelio.de

 

 

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