Mittwoch, November 14, 2018

 

Mein Büro zieht um! Viel Arbeit, aber nicht wirklich spektakulär. Allerdings habe ich meine Meinung über den Service oder allgemein über die Kundenfreundlichkeit in Deutschland revidieren müssen. Dachte ich bisher, Deutschland ist keine

Servicewüste

muss ich doch zugeben: ich habe mich getäuscht. Und es ist noch viel schlimmer, als ich dachte. Achtung an alle Leser: das ist jetzt keine Comedy-Show, alles ganz real..  Ahhhh! ich möchte weglaufen.

Nachtrag: Das Bild war eigentlich ironisch gemeint - irgendwie hat sich das verschoben mit der Zeit. Viel Spaß beim Lesen ... einer bitterernsten Angelegenheit:

Teil 3: nochmal Umzugsunternehmen

Drucken

 

Ich dachte, zu Büroumzug Teil 1: Umzugsunternehmen wäre nur noch ein Nachtrag nötig - weit gefehlt. Der Auftritt des Unternehmens ist würdig für:

Büroumzug Teil 3:
nochmal Umzugsunternehmen

Dieser Tag war echt ein Erlebnis der besonderen Art. Man(n) oder Frau lernt ja bekanntlich nie aus, aber die Lektion war bitter. Das einzige Witzige ist: ich habe von der Firma gestern eine Mail bekommen und werde darin gebeten, den Umzug zu bewerten. Ist das ein Scherz oder will man tatsächlich eine Bewertung haben? Werde ich da wirklich gefragt, ob meine Bewertung auf der Homepage oder in Printmedien veröffentlicht werden darf? Klare Antwort: Natürlich! Tun Sie es nur!

Vielleicht sende ich auch einfach nur den Link zu diesem Blog - mal schauen. Aber, wie immer, von vorn: Dieses war das Ende des ersten Blogbeitrages zum Thema:

" Nr. 5 war nämlich ein Volltreffer - Umzug in 12 Schritten:

1. Anrufe - nette Dame am Telefon
2. per Mail ein Forumlar, wo man die Möbel einträgt
3. ausgefülltes Formular per Mail zurück
4. mögliche Rückfragen
5. am gleichen Tag: per Mail ein Angebot
6. kurze Rückfragen
7. Auftrag erteilt
8. Termin abgesprochen
--- Achtung, wie sind noch am gleichen Tag --
9. Kartons bekommen (steht noch aus)
10. Umzug (kommt auch noch)
11. Rechnung bezahen
12. hoffentlich glücklich und zufrieden zurücklehnen

Punkt 9: Kartonanlieferung

Zum vereinbarten Termin war ein sehr sympatischer Mitarbeiter der Firma da. Er schaute sich alles an (wichtig! merken!), ebenso das Treppenhaus, die Parkmöglichkeiten, prüfte, ob ein Umzugslift genutzt werden kann (leider nicht) und brachte die Kartons vorbei.

Er sah u.a. auch die vielen Ordner und gab den Rat, diese nicht in die Kartons zu packen, da diese dann zu schwer wären. Er bat darum, dass wir immer 4-6 Ordner mit einem Stick zusammenbinden, so kann der Möbelpacker diese besser tragen. Ok - dankbar für den Tip, blieb es im Hinterkopf hängen.

Doch dann:

Punkt 10: der eigentliche Umzug

Tja, es fing an sich gut an: unser Mitarbeiter war ab 8 Uhr da, das Umzugsunternehmen sollte auch ca. 8 Uhr kommen. Und sie waren pünktlich. Schon mal gut.
Ich kam gegen 8:30 Uhr am Haus an, das Erste was ich hörte war ein sehr lautes: "Scheiß Treppenhaus" - jup, da kommt Freude auf. Sollte ich gleich sagen, dass das andere Treppenhaus noch "besser" war, nämlich halb gewendelt? Ich hab es mal sehr charmant gesagt, dachte doch wirklich noch völlig naiv, dass man es mit Humor nehme. Doch Humor war leider aus, bei allen 3 Mitarbeitern des Umzugsunternehmens.

Die 3 Mitarbeiter: 2 ältere, 1 junger Mann. Der junge Mann redete viel, aber irgendwie nur einen Satz: "Ich hasse meinen Job" - nach 1ner Stunde habe ich innerlich mitgesungen. Einer der Ältern war wirklich nett, er bemühte sich, ließ sich aber auch gern jeden Weg abnehmen. Der Dritte im Bunde, der "Anführer" - tja, was soll man sagen, ich bin etwas ratlos: er meckere, er motzte, er beklagte sich, nach einer Ansage von seinem Chef konnte er auch Freundlichkeit heucheln .. man merkte bei jedem (vorallem dem nicht gegangenen) Schritt, wie sehr er seinen Beruf liebte. Wo war bitte der attraktive, sympatische Mann, der sich alles angeschaut hatte?? Genau diesem wollten wir doch gerne zusehen, wenn er seine Muskeln spielen lässt!

Ok, die Chefin war also da, er hat endlich jemanden, wo der ganze Frust abgeladen werden konnte. Er beklage sich:
a) über die vielen Treppen
---> Antwort: ein innerliches Augenrollen
b) über die Masse der Möbel und vorallem der Ordner
---> tja, war alles korrekt angegeben, es sind nun mal mehr als 3 Ordner (Büroumzug!) und schließlich hat sich ein Mitarbeiter auch alles angesehen
c) darüber, dass wir die Ordner mit einem Stick gebündelt haben (siehe oben)
---> Antwort: schnell 12 Ordner in eine noch leere Kiste und ihm in den Arm geworden, danach waren die Bündel ganz nett
d) darüber, dass in der Zeit, die vorgesehen war, der Umzug gar nicht zu schaffen wäre
---> dann hat man sich wohl verkalkuliert
e) ob mir klar wäre, dass ich dann sofort bar bezahlen müsse?
---> nö, es ist per Rechnung ausgemacht

Dann kamen die Drohungen:
a) es wird viel teurer für mich, als im Kostenvoranschlag angegeben
b) sein Chef ist angeblich der Ansicht, so würde das gar nicht gehen
c) er würde seinen Chef gleich nochmal anrufen

Ahja - gut, der Chef also. Ich bat daraufhin, er möge mir doch sein Telefon geben, dann kann ich selber mit dem Chef sprechen. Die Antwort war, mhmm - bemerkenswert, nämlich: "Nein, mit meinem Chef rede nur ich!" Meine 2 Mitarbeiter vor Ort haben mich angeschaut, als wäre ich eine Bushaltestelle, wahrscheinlich kam mir der Dampf schon aus den Ohren raus. Ganz ruhig bleiben, Saxo, ganz ruhig...

Von einem hintern Zimmer aus rief ich dann selbst den Chef an und fragte, ob ich irgendwie im falschen Film sei. Ich würde doch dann gerne mal wissen, was der Mitarbeiter sich angeschaut hat, was diesbezüglich die Erwartungen seinen, was für Kosten auf mich zukämen, wie das mit der Bezahlerei nun ist, ob der Umzug denn heute noch fertig werden würde und ob es normal wäre, dass seine 3 Mitarbieter nach 1,5 h Arbeit (in der sie schon einen Schrank und die Wand des Treppenhauses beschädigt hatten) nun schon 45 min Frühstückspause machen? Schweigen am anderen Ende - er wolle zurückrufen.

Mittlerweile hatte ich schon 3 starke Männer in meiner Bekanntschaft in mein altes Büro gebeten, die Verzweiflung war schon nah - sozusagen in Sichtweite. Nach weiteren 15 Minuten Frühstückspause der 3 Männer vom Umzugsunternehmen hatten unsere 3 starken Männer fast alle Möbel, meine Büromädels die restlichen Ordner bis vor das Umzugsauto getragen. Während der Chef des Unternehmens mich zurückrief, mich über die Kosten aufklärte und sich für die Mitarbeiter entschuldigte, haben die 3 Männer es tatsächlich geschafft, alles (fast) alleine aufzuladen. Teil A war überstanden.
 

Nach angemessener Fahrzeit kam dann das Umzugsauto auch im neuen Büro an. Da wir den Umzug gerne am gleichen Tag noch erledigt haben wollten, packten nun alle Mitarbieter und herbeigetrommelten Leute mit an: Stück für Stück kam alles oben an, für die vielen Ordner wurde eine Kette bebildet. Die Mitarbeiter des Umzugsunternehmens beschränkten sich auf das Herunterreichen der Möbel von der Ladefläche des LKW, Treppensteigen ist ja wohl auch eine Zumutung. Beeindruckende 3 mal (!!) kamen sie die Treppe hinauf (wieder einen Schrank und das Treppenhaus beschädigt), 1 mal davon nur, um das Mittagessen abzufassen. Wirklich beeindruckend!
Und dann noch folgender Satz zu mir: "Haben Sie die Leute jetzt her bestellt um uns zu zeigen, wie es geht?" Ahhhhhhhh! Die Antwort kam von einem meiner Helfer: "Gut geschlußfolgert, vielleicht lernen Sie was dazu!" Ich verkneife mir mal jeglichen Kommentar.

Summa summarum waren wir reichlich 1ne Stunde vor der geplanten Zeit fertig. Ich möchte mir nicht mal ausmalen, wie lange die 3 Herren allein gebraucht hätten. Die befürchtete Mehrzeit hätte ich bezahlen müssen, kann ich mir die eine Stunde  von der Rechnung abziehen? Denn
 

Punkt 11: Rechnung bezahlen

ist bis heute nicht möglich. Nachdem ich lt. Fahrer gleich bar bezahlen sollte, lt. Chef die Rechnung noch am gleichen Tag per Mail bekommen sollte und dann bezahlen könnte ist diese bis heute (5 Tage später) noch nicht eingegangen. Nur die Bewertungsbitte, siehe oben. Gut - ich bin mal gespannt...
Was
 

Punkt 12: hoffentlich glücklich und zufrieden zurücklehnen

angeht, ähmm "Finde den Fehler" im obigen Text. Muskelkater am nächsten Tag, das Nervenkostüm ein bißchen dünner. Das wird wohl nix!

 

Fazit:

Die Organisation außen herum war wirklich gut, die Umsetzung des Umzugs war nicht zu unterbieten. Hätte ich mir einen Lieferwagen gemietet, hätten meine Leute das Ding locker allein gerockt. Letztlich werde ich mit der Rechnung vorallem die Fahrt mit dem Lkw von A nach B bezahlen - und der Preis ist dann nicht angemessen. Die Erkenntnis kam zu spät, leider.
Im Februar steht der nächte Umzug im Bekanntenkreis mit einer anderen Umzugsfirma an - ich bin gespannt...

Eine Antwort ist allerdings klar - ich weiß, wem ich zu Dank verpflichtet bin: meinen Mitarbeitern, meinen Freunden, 2 Mandanten - die mehr als nur Mandaten sind und natürlich meinen Eltern, die auch kräftig mit angepackt haben. Vielen vielen Dank - Ihr seid die Besten.


So, jetzt nicht sentimental werden:
- Mitarbeiter: ab an die Arbeit
- Freunde: ab, Weihnachtsgeschenke für mich kaufen
- Mandanten: tut was, Euer Umsatz ist mein Honorar
- Mutter: ab, Weihnachtsessen kochen
- Vater: der Weihnachtsbaum steht noch nicht

 

Eure Saxo

 

 

Bildquellen: Tim Reckmann  / pixelio.de und Alexander Altmann  / pixelio.de

 


 

 


 

Neueste Beiträge