Mittwoch, November 14, 2018

Sicher? Effizient?

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Perspektive

Mit dem neuen Chefredakteur der deutschen Ausgabe der National Geographic, Florian Gless, ist auch eine neue Kolumne ins Heft gekommen. Der Sozialpsychologe und Autor Prof. Harald Welzer schärft unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit den Blick und das Bewußtsein für einen optimalen Weg in die Zukunft. Sein Geschriebsel in der November-Ausgabe 2014 hat mich über einem weiteren Aspekt grübeln lassen, der Perspektive von anderen und natürlich einem selbst.

Herr Welzer schildert in seiner Kolumne eine Situation, in der er in später Abendstude im Zug sitzt und beobachten darf, wie eine "Kostümfrau" ein "summary", also ein Protokoll, über ein Meeting schreibt, von dem sie grade kommt. Dabei tippt sie wie wild in ihr Notebook und hält per Smartphone auch noch etliche Kollegen wach, die ihr eine Zuarbeit senden dürfen - welche sie natürlich sofort verarbeitet. Mit ihren zig Rückfragen, die mehr oder weniger darauf beruhen, dass selten etwas "richtig" gemacht wird sondern nur halbherzig (aus welchen Gründen auch immer) erzeugt sie eine Menge an Aufwand, den andere Personen händeln müssen. Wozu das Ganze? Ist man heutzutage effizienter? Schließlich hat man alle modernen Möglichkeiten zur Verfügung. Oder schaffen wir es nicht mehr, Dinge auf den Punkt zu bringen und ihnen die Bedeutung zu geben, die sie eigentlich verdienen?

Hat man das Gefühl für das entsprechende Maß verloren? Es ging im obigen Beispiel um ein Protokoll - um nichts wirklich bewegendes. Früher gab es eine Kurznotiz mit den besprochenen Sachen und den Ergebnissen - und fertig aus. Hier werden eine Menge Leute beschäftigt für etwas, was danach die wenigsten Menschen lesen oder gar brauchen.

Sollte man hier nicht mal den Blickwinkel wechseln? Einfach mal Sachen von einem anderen Standpunkt betrachten? Und dann verdammt selbstkritisch sein? Eigentlich hat es uns doch schon der leider verstorbene Robin Williams gelehrt - und zwar in der Filmszene in der er zumindest für mich weiterlebt: https://www.youtube.com/watch?v=953UQ6w-gyA  Warum vergessen wir das immer? Warum halten wir so wenig inne und wechseln mal, und wenn auch spielerisch, die Perspektive? Warum trainieren wir uns ein solches Verhalten nicht an, um dann wirklich effizient zu sein?

Noch in Gedanken blätterte ich im Heft um und gleich der nächste Artikel "Es geht doch" von Jürgen Nakott über die private Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn. Diese leitet Marcelo da Veiga, der für die zukünftigen Führungskräfte der Wirtschaft mal promt Kunst, Ethik und Philosophie als Pflichtfächer auf den Stundenplan setzt. Hier wird also soziale Verantwortung gelehrt - vorbildlich meiner Meinung nach.

Der Wechsel des Blickwinkels sollte aber nicht nur im beruflichen Umfeld öfters mal praktiziert werden, auch im ganz privaten kleinen Bereich ist er oftmals hilfreich. Hier kann man doch Beweggründe des anderen bei einem Streit viel besser nachvollziehen und so ein annehmbares Ergebnis für alle erzielen. Einfach mal die eigenen Gewohnheiten auf den Prüfstand stellen, egal ob beim Umgang mit Menschen oder im Alltag. Wieviel Lebensmittel werden zb weggeworfen? Warum dann jammern, dass man sich ein, wenn auch kleines, Luxusgut nicht leisten kann? Ein Ausbruch aus dem Alltag lohnt sich doch fast immer - selbst wenn man es als Erfahrung abhaken kann, dann weiß man wenigstens, dass man es richtig gemacht hat. Also Leute, schaut mal über den Tellerrand oder steigt auf den Tisch, wie Robin Williams.

So - und um Prof Welzer gerecht zu werden (naja, ich versuche es zumindest) und um den Kreis zu schließen: Nachhaltigkeit in Bezug auf unsere Zukunft, aktuelles Beispiel - die Gewerkschaft der Lokführer sollte mal dringend einen Wechsel des Blickwinkels vornehmen. Ein Vergleich der Arbeitsbedingungen und entsprechenden Löhnen mit anderen Branchen könnte da Augen öffen. Die Folgen des unverhältnismäßen Streiks bzw. der Streikdauer für viele andere Menschen, die auf die Bahn angewiesen sind, für unsere Wirtschaft - und letztlich auch für unsere Umwelt, da ja nun doch Etliche das Auto nehmen werden, sind hier mal abzuwägen. Denkt mal nach, kommt in die Pötte.

 

 

National Geographic: http://www.nationalgeographic.de/
National Geographic / Ankündigung Kolumne: http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/aktuelle-ausgabe/editorial-oktober-2014
Alanus Hochschule in Alfter: http://www.alanus.edu/
Bildquelle: Rike  / pixelio.de

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